Politischer Skandal um Gernika-Gedenkstein

Liebe Freundinnen und Freunde aus Wunstorf und Neustadt:

Bei unserer letzten Vorstandssitzung haben wir – der euch aus Bilbao und Gernika bekannte Kulturverein Baskale e.V. – über das Vorhaben diskutiert, in Wunstorf einen Gernika-Gedenkstein aufzustellen und zur Einweihung baskische Schülerinnen und Schüler einzuladen. Wir halten dies für einen politischen Skandal, der sich umso gravierender darstellt, nachdem wir in Erfahrung bringen konnten, dass die baskischen Schüler/innen und ihr Begleitpersonal nicht informiert sind über die gesamte Dimension des Gedenkstein-Projekts.

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Flüchtlingslager an historischer Stätte

Kommentar

In Zeiten europäischer und bundesdeutscher außen- und flüchtlingspolitischer Unfähigkeiten, erinnert sich so manche Verwaltung alter Fähigkeiten und beweist damit allerdings wenig historisches Feingefühl.

Schon 2014 plante die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte, die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände eines ehemaligen Außenlagers des KZ Buchenwald. Dies führte zu auch internationaler Kritik und Protesten.

Nun soll kurzfristig nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung ein in Oerbke angesiedeltes NATO-Lager als Aufnahmeeinrichtung und Drehkreuz für Flüchtlinge herhalten. Das nahe bei Bad Fallingbostel am Südrand der Lüneburger Heide gelegene Oerbke, ist Verwaltungssitz des gemeindefreien Bezirks Osterheide. Das dortige Militärlager schon älter als die 1949 gegründete NATO. Es entstand im Jahre 1935 im Zuge der Remilitarisierung des Deutschen Reiches, gemeinsam mit dem Truppenübungsplatz Bergen. Dafür wurden 24 Gemeinden aufgelöst und die dortige Bevölkerung zwangsumgesiedelt.

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Proteste gegen Naziaufmarsch – Bad Nenndorf 01.08.2015

Wie alljährlich im August fanden auch in diesem Jahr eine Nazidemonstration und -kundgebung in Bad Nenndorf/Niedersachsen statt. Der Grund: Im örtlichen “Wincklerbad” war nach 1945 ein Verhörzentrum der britischen Truppen untergebracht, in dem Gefangene misshandelt und gefoltert wurden – darunter auch NS-Täter. Die britische Presse deckte diesen Skandal auf, es kam zu Gerichtsverfahren gegen die Verantwortlichen und das Verhörzentrum wurde geschlossen. Die Nazis benutzen diese Geschichte seit einigen Jahren, um ihre historischen Vorbilder zu Opfern zu machen und die Massenverbrechen der Wehrmacht und der NS-Organisationen zu relativieren und zu verharmlosen. Doch auch in diesem Jahr waren aus dem gesamten Bundesgebiet nur knapp 180 Nazis angereist. Gegen den Aufmarsch der NS-Fans protestierten unter dem Motto “bunt statt braun” rund 900 Antifaschisten aus Bad Nenndorf und der Region Hannover. Die Bilder geben einen Eindruck von den Ereignissen.

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Protest gegen Militarisierung

FriedensdemonstrantInnen fordern Umbenennung der Oswald-Boelcke-Straße und ein Ende der Aufrüstung des Fliegerhorstes Wunstorf

Am Freitag, den 15. Mai 2015 veranstaltete das hannoversche Friedensbüro eine Fahrradtour zum Fliegerhorst Wunstorf. Unterwegs setzte sich die dreizehnköpfige Gruppe an der „Germania“ vor dem Hölty-Gymnasium und am Kriegerdenkmal mit der militärischen Traditionspflege in Wunstorf auseinander. Hubert Brieden vom Arbeitskreis Regionalgeschichte erläuterte Geschichte und Gegenwart der Denkmäler und sprach über die 1933 durch die Nazis veranlasste Umbenennung der Bahnhofstraße in Hindenburgstraße. Auch die Oswald-Boelcke-Straße erhielt diesen Namen 1936 erst durch die Wunstorfer NS-Machthaber, die damit das auf dem neu angelegten Fliegerhorst Wunstorf stationierte Traditionsgeschwader Boelcke ehren wollten. Flieger des Boelcke-Geschwaders waren während des Spanischen (Bürger-)Krieges und im Zweiten Weltkrieg u. a. an den vernichtenden Angriffen auf Gernika / Guernica und auf Coventry beteiligt.

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Gegensätzliche Erinnerungen

Reisegruppe aus Gernika zurück

In Gernika gedenkt man der Toten … in Wunstorf der Täter

Straßentheater in Gernika am 26. April 2015 – Erinnerung an die Opfer deutscher Ju-52-Bombenflugzeuge
Straßentheater in Gernika am 26. April 2015 – Erinnerung an die Opfer deutscher Ju-52-Bombenflugzeuge

Die fünfzehnköpfige Gruppe aus der Region Hannover und aus Lüneburg ist soeben von ihrer Reise nach Gernika / Guernica im spanischen Baskenland zurückgekehrt. Die Vernichtung der Stadt am 26. April 1937 vor allem durch deutsche Bombereinheiten der Legion Condor während des Spanischen (Bürger-) Krieges – darunter auch Flugzeugbesatzungen aus Wunstorf und Langenhagen –, ist bei den Menschen in Gernika bis heute fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Mit eindrucksvollen politischen und kulturellen Veranstaltungen, wurde an die Zerstörung der Stadt erinnert. Die BesucherInnen aus Deutschland wurden u.a. zur großen Gedenk- und Kulturveranstaltung am Vorabend des Jahrestages der Bombardierung eingeladen, an der sich mehr als 1000 Menschen beteiligten. Das Geheul von Sirenen und das Läuten der Kirchenglocken erinnerten am Nachmittag des 26. April an den Beginn des verheerenden Luftangriffs vor 78 Jahren und eines der ersten Flächenbombardements der Luftkriegsgeschichte. Abgeschlossen wurden die diesjährigen Feierlichkeiten durch mehrere Straßentheater und eine Lichterdemonstration.

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Proteste gegen A400M

Der A 400 M kommt – die Kriegsgefahr wächst

Presseerklärung des Arbeitskreises Regionalgeschichte

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie auf folgenden Sachverhalt aufmerksam machen:

1. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf (Region Hannover) wird nun als einzigem Militärflugplatz in Deutschland das Großraum-Transportflug A400M stationiert.

2. Dieser Flugzeugtyp dient der schnellen Verlegung von Soldaten und Material in Kriegs- und Krisengebiete und hat daher – ebenso wie der Fliegerhorst Wunstorf selbst – strategische Bedeutung für zukünftige internationale Kriege.

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Militarisierter Neujahresempfang der Stadt Neustadt a. Rbge.

Schreiben an den Bürgermeister

Zum Neujahresempfang der Stadt Neustadt a. Rbge. am 16. Januar 2014 wurde auch der Arbeitskreis Regionalgeschichte eingeladen. Doch der nahm diese Einladung nicht an und begründete dies in einem Schreiben an den Bürgermeister:

Sehr geehrter Herr Sternbeck,

vielen Dank für die Einladung des Arbeitskreises Regionalgeschichte zum Neujahresempfang 2014 der Stadt Neustadt a. Rbge. Wir wissen diese erste Einladung nach 33 Jahren ehrenamtlicher Arbeit zu schätzen und würden gerne mit Ihnen auf das neue Jahr anstoßen. Nicht zuletzt deshalb, weil Sie seit Ihrem Amtsantritt als Neustädter Bürgermeister auf unterschiedliche, unvoreingenommene Weise die regionale Geschichts- und Erinnerungsarbeit unterstützten und dabei auch kontroversen, über Jahrzehnte verdrängten Themen nicht auswichen.

Leider wird es zu dieser Begegnung nicht kommen, weil die Bundeswehr den Neujahresempfang mitorganisiert und diesen durch das angewiesene Tragen von Uniformen sowie Darbietungen des Heeresmusikkorps dominiert und als Werbeveranstaltung nutzt. Vielleicht fragen Sie nun, was daran so schlimm sein soll. Die Antwort erhalten Sie durch einen Blick in die deutsche (Militär-) Geschichte:

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Lüneburg Guernica unerwünscht

Kriegerdenkmal … Friedensdenkmal … Kriegerdenkmal …

Seit Anfang des Jahres 2013, wendet sich eine Initiative: “dragoner-denk-mal-nach” in Lüneburg gegen die Restaurierung und Wiederaufstellung eines Kriegerdenkmals von 1939. In einer beachteten Kunstaktion am 8. September 2013, dem “Tag des offenen Denkmals”, gestalteten Mitglieder der Initiative den zur Zeit leeren Sockel des Dragoner-Denkmals mit einer Reproduktion der Picasso-Bildes “Guernica” zu einem Friedensdenkmal um. In einem Textteil erinnerten sie an die Beteiligung Lüneburger Militärs an Verbrechen während mehrerer Kriege seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Lüneburg Guernica unerwünscht weiterlesen

Bad Nenndorf ist bunt – Nazis erfolgreich blockiert

Gegen den Widerstand der Bad Nenndorfer Bevölkerung und anderer AntifschistInnen fand am 3. August 2013 wieder einmal ein Aufmarsch von Alt- und Neonazis in Bad Nenndorf statt. Und dies, obwohl bei den Aufmärschen der letzten Jahre die NS-Diktatur verherrlicht worden war und öffentlich Nazisymbole gezeigt worden waren – ein eindeutiger Verstoß gegen §139 des Grundgesetzes. Davon unbeeindruckt hatte das hannoversche Verwaltungsgericht in diesem Jahr den NS-Nostalgikern ausdrücklich eine Kundgebung auf der Bahnhofstraße vor dem Wincklerbad genehmigt und dafür die durch die Bürgerinitiative “Bad Nenndorf ist bunt” am selben Ort angemeldete Kundgebung zeitlich begrenzt. Als die TeilnehmerInnen der antifaschistischen Kundgebung den Platz nicht räumen wollten, versuchte die Polizei ihn für die etwa 280 angereisten Nazis freizumachen, obwohl schnell klar war, dass dies nicht rechtzeitig gelingen würde. Die Massensitzblockade vor dem Wincklerbad, in der sich mehre Gruppen mit Bügelschlössern und in einer kleinen Pyramide angekettet hatten, verhinderte die angemeldete Kundgebung der Nazis. Noch während der Platz geräumt wurde, riefen die Nazis, die vorgaben einen “Trauermarsch” in Erinnerung an Gefangenenmisshandlungen der Alliierten im Wincklerbad zu veranstalten, über Lautsprecher dazu auf, Gewalt gegen die Angeketteten anzuwenden: Man solle sie an den Bügelschlössern auseinanderreißen oder den in der Pyramide festgemachten die Finger abschneiden.
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Gernika-Ausstellung stieß auf großes Interesse

Vom 7. – 25. April 2013 war in Wunstorf (Region Hannover) in der Stadtkirche die Ausstellung „Ein voller Erfolg der Luftwaffe“ – die Vernichtung von Guernica / Gernika am 26. April 1937 – Geschichte und Gegenwart eines deutschen Kriegsverbrechens zu sehen.

Mehr als 600 BesucherInnen schauten sich die Ausstellung an. Die Begleitveranstaltungen waren sehr gut besucht. Das große Interesse hat einen Grund: Auf dem Fliegerhorst Wunstorf lernten rund 70 Prozent der Bomber- und Aufklärungseinheiten der „Legion Condor“ ihr “Handwerk”. Die Bombenflugzeuge der Legion Condor zerstörten im Spanischen Bürgerkrieg Städte und Dörfer – darunter die baskische Stadt Gernika. Über Jahrzehnte wurde dieses Kapitel der regionalen Geschichtsschreibung aus Rücksicht auf den Bundeswehrfliegerhorst (!) zunächst verschwiegen, später relativiert. In Wunstorf hat eine offene Diskussion über die “vergessene” Geschichte begonnen.
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