Gernika-Gedenkstein und die „vergessene“ Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf

Stellungnahme des Arbeitskreises Regionalgeschichte anlässlich der Präsentation eines “Gernikasteines” auf dem Fliegerhorst Wunstorf am 8.9.2017:

Wir wollen auch deutlich machen, dass die heutige Bundeswehr keine Kriegsarmee mehr ist.“ (der Wunstorfer Bürgermeister zum Sinn des Gernikasteins)

Elefanten im Porzellanladen

Am 8. September 2017 wird auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf im militärischen Sicherheitsbereich und abseits der Öffentlichkeit durch den Wunstorfer Bürgermeister und den Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr ein Gernika-Gedenkstein präsentiert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wolle sich der Bürgermeister und die Bundeswehr endlich – nach Jahrzehnten des Verschweigens und Relativierens – der NS-Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf stellen: Die baskische Stadt Gernika wurde während des Spanischen (Bürger-)Krieges durch ein mehrstündiges Flächenbombardement der deutschen Legion Condor fast vollständig zerstört. Beteiligt waren auch Angehörige des NS-Traditionsgeschwaders Boelcke vom Fliegerhorst Wunstorf. Dieses Geschwader war darüber hinaus verantwortlich für Flächenbombardements ziviler Stadtviertel in polnischen und anderen europäischen Städten und für die Vernichtung der britischen Stadt Coventry während des Zweiten Weltkrieges.

1935 nannten die Wunstorfer Nazis eine Straße, an der Offizierswohnungen gebaut worden waren, zu Ehren des Traditionsgeschwaders „Oswald-Boelcke-Straße“. Nach dem Krieg wurde die Straße zunächst umbenannt. Doch 1953 erhielt sie wieder den Namen aus der Nazizeit. Der Wunstorfer Rat folgte damit einer Forderung der Boelcke-Fliegerveteranen, die bereits 1951 wieder in der Stadt aufmarschiert waren. Über die Kriegsverbrechen der Wunstorfer Flieger wurde Jahrzehntelang geschwiegen – bis Anfang der 1980er Jahre deren Beteiligung an der Zerstörung Gernikas nachgewiesen werden konnte. Eine Städtepartnerschaft mit Gernika, die viele WunstorferInnen daraufhin gefordert hatten, lehnten Stadt und Bundeswehr ab.

Nun also ein Gedenkstein für Gernika auf Militärgelände. Doch die Oswald-Boelcke-Straße soll ihren Namen behalten, und im Ju-52-Museum auf dem Fliegerhorst werden die Untaten des Boelckegeschwaders und die Rolle, die Ju-52-Maschinen bei diesen Verbrechen spielten, weiter beschwiegen.

An der Steinenthüllung sollten neben dem Bürgermeister aus Gernika auch AustauschschülerInnen einer baskischen Schule teilnehmen, die sich zur Zeit in Neustadt aufhalten. Doch der Bürgermeister kommt nicht und die Schule sagte ab. Gernika präsentiert sich international als Stadt des Friedens. Da hätte es schlecht ins Bild gepasst, wenn ihre Repräsentanten zusammen mit deutschen Militärs auf einem zentralen Flugplatz der Bundeswehr und der Nato auftreten. Die baskische Linke aus Gernika schrieb in einer Erklärung: „Gernika und Militärbasis sind unvereinbar.“

Das alles war vorauszusehen – doch die Kommandantur des Fliegerhorstes und der Wunstorfer Bürgermeister planten ohne Kenntnisse der Situation in Gernika und ohne die Wunstorfer Öffentlichkeit einzubeziehen ihren Gedenkstein. Der Wunstorfer Bürgermeister erläutert es so: „Wir wollen auch deutlich machen, dass die heutige Bundeswehr keine Kriegsarmee mehr ist.“ Eine absurde Behauptung angesichts der Bundeswehreinsätze im ehemaligen Jugoslawien, in Afghanistan, Mali und anderswo. Der Name „Gernika“ soll der Imagepflege der kämpfenden Truppe dienen.

Die Kommandantur des Fliegerhorstes und die Stadt Wunstorf haben durch ihren unsensiblen Umgang mit dem Thema „Gernika“ inzwischen erheblichen Schaden angerichtet.

Wie Elefanten im Porzellanladen trampeln sie durch Geschichte und Gegenwart.

Arbeitskreis Regionalgeschichte, 8.9.2017

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Aufruf zur Teilnahme an der Umbenennung der Oswald-Boelcke-Straße in Wunstorf am 8.9.2017, 12 Uhr

Presseerklärung des Arbeitskreises Regionalgeschichte am 1. September 2017, Internationaler Antikriegstag

am Freitag, den 8.9.2017 will die Bundeswehr gemeinsam mit der Stadt Wunstorf einen “Gernikastein” auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf präsentieren. Die Veranstaltung findet abseits der Öffentlichkeit vor geladenen Gästen im militärischen Sicherheitsbereich statt. Der Gedenkakt ist dominiert durch Ansprachen von Militärs, Militärgeistlichen und durch religiöse Rituale. Eine kritisch-rationale Auseinandersetzung mit der Wunstorfer Militär- und Kriegsgeschichte soll offensichtlich vermieden, das Gedenken an das Kriegsverbrechen von Gernika emotionalisiert werden. Andere Kriegsverbrechen die das NS-Kampfgeschwader Boelcke zu verantworten hat, bleiben weiterhin ausgeblendet. Dies gilt nicht nur für den Gedenkakt selber, sondern auch für die Militariaausstellung in der Ju-52-Halle auf dem Fliegerhorst Wunstorf, für die das Lufttransportgeschwader 62 der Bundeswehr die Verantwortung trägt. In der Stadt Wunstorf wird mit der “Oswald-Boelcke-Straße” weiterhin die Luftwaffeneinheit geehrt, die Gernika, Coventry und andere Städte in Schutt und Asche bombte. Die immer wieder geforderte Umbenennung der Straße wird seit Jahrzehnten durch die Stadt Wunstorf verhindert.

Unter diesen Umständen bleibt das Aufstellen eines Gedenksteines auf dem Fliegerhorst Wunstorf unglaubwürdig: Wie kann man diesen Stein setzen und gleichzeitig einen Großteil der Verbrechen vertuschen und die Täter ehren?

Zur selben Zeit wird die Bundeswehr in einem beispiellosen Ausmaß aufgerüstet. Der Fliegerhorst Wunstorf entwickelt sich zur Drehscheibe für internationale Kriegseinsätze.

Angesichts dieser Entwicklung und des militarisierten “Gedenkens” auf dem Fliegerhorst Wunstorf schließt sich der Arbeitskreis Regionalgeschichte dem Aufruf der “Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInen” (DFG-VK) an, am Freitag, den 8.9.2017 um 12 Uhr die Oswald-Boelcke-Straße in Wunstorf in Gernikastraße umzubenennen. Mitglieder des DGB-Chores werden während der Straßenumbenennung einige der Lieder singen, die sie gemeinsam mit dem Chor Urdaibai Kantagunea aus Gernika auf Veranstaltungen in Hannover, Wunstorf und Gernika vortrugen.

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Presserklärung des Arbeitskreises Regionalgeschichte

und des

Baskisch-Deutschen Kulturvereins Baskale, Bilbao

Am 8. September 2017 soll auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf durch den Wunstorfer Bürgermeister und den Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr ein Gernika-Gedenkstein präsentiert werden. Eigentlich könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitskreises Regionalgeschichte e. V. zufrieden sein, dass nun endlich – 33 Jahre nach ihrer ersten Publikation, in der die Beteiligung Wunstorfer Flieger an der Vernichtung Gernikas nachgewiesen wurde – auch die Kommandantur des Lufttransportgeschwaders und die Stadt Wunstorf an Opfer der Bombenflieger des NS-Traditionsgeschwaders Boelcke erinnern wollen. Doch Zufriedenheit mag sich nicht einstellen, denn weder die Stadt Wunstorf noch die Bundeswehr beenden ihre über Jahre betriebene militärische Traditionspflege. Wir erinnern uns:

– Lange wurde jegliche Beteiligung Wunstorfer Flieger am Bombardement von Gernika zunächst bestritten und dann relativiert und kleingeredet.

– Veteranen des Boelckegeschwaders, darunter auch Beteiligte am Kriegsverbrechen von Gernika, trafen sich regelmäßig auf dem Fliegerhorst Wunstorf und an anderen Bundeswehrstandorten.

– Kommandantur und Stadt Wunstorf feierten 1985 das 50jährige Jubiläum des Fliegerhorstes und damit die NS-Geschichte gleich mit.

– Eine Städtepartnerschaft Wunstorf-Gernika, für die sich viele Menschen in Wunstorf einsetzten, wurde verhindert.

– Bis heute ist es in Wunstorf politisch nicht durchsetzbar, die Oswald-Boelcke-Straße – von den Nazis (und nochmal Anfang der 1950er Jahre) zu Ehren des Boelckegeschwaders benannt – in Gernikastraße umzubenennen.

– In der Ju-52-Halle werden nach wie vor die Untaten des Boelcke-Geschwaders, die Flächenbombardements von Gernika, Coventry und anderen Orten ausgeblendet. Die Aufgaben, die die Ju-52-Behelfsbomber und -Transportmaschinen, bei den Angriffskriegen der Nazis erfüllten, bleiben unerwähnt.

Wie passt das Setzen eines Gedenksteins mit dem Vertuschen der Verbrechen und der Ehrung der Täter zusammen?

Sinnvoll wäre es gewesen, nach einer öffentlichen Debatte, die Oswald-Boelcke-Straße umzubenennen, die Ausstellungsinhalte in der Ju-52-Halle zu ändern und auf öffentlich zugänglichem Gelände ein Mahnmal für alle Opfer des Boelckegeschwaders zu errichten.

Stattdessen wird in einer religiös dominierten „Gedenkveranstaltung“ ein Gernikastein abseits der Öffentlichkeit vor ausgesuchtem Publikum im militärischen Sicherheitsbereich aufgestellt. Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Wunstorfer Militärgeschichte und der Traditionspflege der Stadt und des Lufttransportgeschwaders ist unter diesem Umständen nach wie vor kein Platz.

Arbeitskreis Regionalgeschichte

Baskisch-Deutscher Kulturverein Baskale, Bilbao

August 2017

Reaktionen – eine Chronologie:

In Wunstorf beginnt die öffentliche Diskussion um die NS-Straßenbenennungen. Am 5.10.2017, 19 Uhr, gibt es in der Wunstorfer Stadtkirche einen Vortrag mit dem Titel “Wie die Hindenburg- und die Oswald-Boelcke-Straße zu ihren Namen kamen … und wieso sie diese Namen behielten – Zur Nachhaltigkeit von NS-Straßenbenennungen in der Garnisonsstadt Wunstorf”. Einzelheiten hier

27.8.2017: Die Presseerklärung wird unterstützt von der “Initiative kein Militär mehr!”

27.8.2017: Nachzulesen ist die Erklärung auch auf der Internetseite der Ökum. Initiative zur Abschaffung/Reform der Militärseelsorge

29.8.2017: Die Deutsche Friedensgesellschaft / Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und die Interneplattform “verqueert” protestieren gegen den geplanten “Gernikastein” auf dem Fliegerhorst Wunstorf und rufen zur Umbenennung der Oswald-Boelcke-Straße am 8.9.2017, 12 Uhr in Wunstorf auf.

29.8.2017: Der DGB-Chor Hannover hat mitgeteilt, dass Mitglieder des Chores am 8.9.2017 an der Straßenumbenennung in Wunstorf teilnehmen und singen werden.

29.8.2017: Das Büro des Bundestagsabgeordneten der Linken, Dieter Dehm, hat mitgeteilt, dass Mitglieder der Linken aus Hannover an der Straßenumbenennung in Wunstorf teilnehmen werden und Die Linke sich im hannoverschen Rat dafür einsetzen will, die Boelckestraße in der Landeshauptstadt umzubenennen.

1.9.2017: Auf Nachfrage hat die Pressestelle der Stadt Gernika mitgeteilt, dass der Bürgermeister nicht zur Steinverlegung auf den Fliegerhorst Wunstorf kommen wird.

1.9.2017: Nach bisherigen Informationen wird eine Stadträtin der christdemokratischen PNV an der Steinverlegung teilnehmen.

1.9.2017: Der Direktor der Ikastola Seber Altube (baskische Schule in Gernika) hat auf Nachfrage klargestellt, dass die Schüler*innen aus Gernika, die zum Schüleraustausch in Neustadt sein werden, nicht an der Veranstaltung auf dem Fliegerhorst Wunstorf oder anderen öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen werden. Sie hätten auch zu keinem Zeitpunkt eine Einladung zu der Feier bekommen, lediglich eine mündliche Anfrage aus dem Rathaus. Es sei ein Unding, Schüler*innen zu Veranstaltungen zu schicken, von denen die Eltern nichts wissen.

2.9.2017: “Gernika und Militärbasis sind unvereinbar.” Dies schreibt die linke baskische Partei EH Bildu, die auch im Rat von Gernika vertreten ist in einer öffentlichn Erklärung. Sie protestiert gegen die Steinverlegung auf dem Fliegerhorst Wunstorf und kritisiert, dass eine Stadträtin der PNV an der Veranstaltung teilnehmen will. In der Erklärung heißt es u.a.: “Wir sehen in der geplanten Veranstaltung die Gefahr, die Bombardierung Gernikas aus ihrem Kontext zu heben und sie auf ein schlichtes in der Vergangenheit liegendes trauriges Kriegsereignis zu reduzieren. Die Bombardierung Gernikas ist ein faschistisches Kriegsverbrechen und die Erinnerung daran fordert Friede, Freiheit, Antimilitarismus und Antifaschismus, hier und auf der ganzen Welt, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Der militärische Garant des Imperialismus, die kriegstreibende Organisation NATO kann schwerlich diese Werte vertreten. Gernika ist das Sinnbild der auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung fußenden Erinnerung. Diese Ideen sind unvereinbar mit einer die Vergangenheit unkritisch betrachtenden Veranstaltung; Gernika und Militärbasis sind unvereinbar.” Die gesamte Erklärung auf Baskisch und deutsch ist nachzulsen unter: http://baskinfo.blogspot.de/2017/09/gernika-ist-in-wunstorf-dabei.html

8.9.2017: Auf dem Fliegerhorst Wunstorf wird im militärischen Sicherheitsbereich vor geladenem Publikum der “Gernikastein” enthüllt. Eine Presseoffizierin berichtete über den Angriff auf Gernika. Hilfestellung leistete ihr der Heimatforscher Heiner Wittrock, Mitglied in der Traditionsgemeinschaft Lufttransport Wunstorf e.V. , die unter Aufsicht des Lufttransportgeschwaders 62 die Ju-52-Halle betreut, und Autor einer Chronik des Fliegerhorstes Wunstorf. In seiner Chronik zeichnet sich Wittrock dadurch aus, das er den Angriff auf Gernika falsch darstellt und verharmlost (ausführliche Kritik an Wittrock in: Brieden/Rademacher: Luftwaffe Judenvernichtung totaler Krieg S. 220 ff). Im Bericht der Leine-Zeitung (9.9.2017) heißt es, eine stellvertretende Bürgermeisterin aus Gernika sei anwesend gewesen – eine Falschmeldung. Anwesend war lediglich das Ratsmitglied Lourdes San Severino Erdaide. Gernika hat 5 stellvertretende Bürgermeister, zu denen Frau San Severino Erdaide nicht gehört (vgl. Internetseite der Stadt Gernika). Anwesend waren auch die Politikerinnen der Grünen aus Wunstorf und Neustadt Birgit Mares und Ute Lamla, die Menschen aus Gernika zur Steinverlegung eingeladen hatten: den Bürgermeister, den Chor Urdaibai Kantagunea, Schülerinnen und Schüler einer baskischen Schule sowie Einzelpersonen. Niemand der Eingeladenen war gekommen. Da musste die baskische Politikerin der Partei EA-NV wohl ein wenig aufgeblasen werden. Die baskische Linke hatte geschrieben: “Gernika und Militärbasis sind unvereinbar”. Die Grünen stehen mit ihrem Schmusekurs mit der Bundeswehr und dem Wunstorfer CDU-Bürgermeister vor einem Scherbenhaufen.

8.9.2017: In einer bunten Aktion benannten gut 30 FriedensaktivistInnen mit Unterstützung von Mitgliedern des DGB-Chores Hannover die Oswald-Boelcke-Straße symbolisch in Gernikastraße um. Mit der Aktion sollte auf die in Wunstorf gepflegte historische Schizophrenie aufmerksam gemacht werden, einerseits einen “Gernikastein” zu setzen, andererseits die Taten der Bombereinheiten der Legion Condor zu relativieren und mit der Oswald-Boelcke-Straße – benannt nach dem NS-Traditionsgeschwader – die Täter zu ehren.

9.9.2017: In der Internetzeitung “Wunstorfer Auepost” erscheint ein ausführlicher Artikel über die Straßenumbenennung. Die Leine-Zeitung (Beilage der Hannoverschen Allgemeinen und der Neuen Presse) bringt keinen Bericht über die Protestdemonstration an der Wunstorfer Oswald-Boelcke-Straße.

11.9.2017: Ein Bürger berichtet dem Arbeitskreis Regionalgeschichte aufgebracht, er habe den “Gernikastein” auf dem Fliegerhorst Wunstorf anschauen wollen. An der Wache habe man ihm gesagt, dies sei nicht möglich, er müsse erst einen Antrag an die Kommandantur stellen.

11.9.2017: In der Wunstorfer Auepost erscheint ein Kommentar zur Debatte um die NS-Straßenbenennungen in Wunstorf

16.9.2017: Die Neustädter Redaktion der Leine-Zeitung wurde per Leserbrief auf die Falschmeldung von der angeblichen stellvertretenden Bürgermeisterin aus Gernika aufmerksam gemacht. Dieser Leserbrief wurde nicht veröffentlicht und die Falschmeldung nicht korrigiert. Stattdessen druckte man neben einem Werbeartikel für das Lufttransportgeschwader 62 vom Fliegerhortes Wunstorf Leserbriefe ab, in denen das Unverständnis über die Umbenennung der Oswald-Boelcke-Straße ausgedrückt wurde (Leine-Zeitung v. 15.9.2017).

23.9.2017: “Feindliche Übernahme” – Artikel in “ossietzky” 18/2017

Der aktuelle Skandal in der Bundeswehr und die militärische Traditionspflege auf dem Fliegerhorst Wunstorf und in der Stadt Wunstorf

Presseerklärung

Die Öffentlichkeit ist zur Zeit darüber entsetzt, dass in der Bundeswehr ein rechtes Netzwerk aktiv ist, das sich positiv auf die Traditionen der Wehrmacht bezieht. Einzelne Soldaten scheinen auch nicht mehr davor zurückzuschrecken, Anschläge vorzubereiten. Seitdem die Bundeswehr in internationale Kriegseinsätze geschickt wurde, häuften sich darüber hinaus Berichte über Soldatenmisshandlungen. Auch die auf dem Fliegerhorst Wunstorf (Region Hannover) betriebene Traditionspflege gab immer wieder Anlass zu Beschwerden und öffentlichen Diskussionen.

Kritisiert wird die Ausstellung in der Ju-52-Halle, ein Militärmuseum auf dem Gelände des Fliegerhorstes, für das das Lufttransportgeschwader 62 die Verantwortung trägt. Obwohl die schlimmsten Nazi-Devotionalien wie Hakenkreuze, NS-Literatur etc. nach einer Beschwerde des Arbeitskreises Regionalgeschichte an das Verteidigungsministerium bereits 1998 beseitigt wurden, blieben die verheerenden Einsätze der Junkersmaschinen und der Angehörigen des in Wunstorf stationierten NS-Traditionsgeschwaders Boelcke während des Spanischen (Bürger-) Krieges und des Zweiten Weltkrieges ausgeblendet.

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Verklärung der Ju 52 am Ihme-Zentrum in Hannover-Linden

Soeben kommen wir – eine Reisegruppe aus der Region Hannover – von den Gedenkfeierlichkeiten in Guernica / Gernika im spanischen Baskenland zurück. Jedes Jahr gedenkt man dort der Vernichtung der Stadt durch deutsche Bombenflugzeuge der Legion Condor während des Spanischen (Bürger-)Krieges am 26. April 1937. Deutsche Luftwaffeneinheiten unterstützten einen Putsch unter Führung des Generals Franco gegen die gewählte republikanische Regierung. Entsetzt über eines der ersten Flächenbombardements der Luftkriegsgeschichte gegen eine unverteidigte Stadt malte Pablo Picasso in den Wochen nach diesem Kriegsverbrechen sein wohl bekanntestes Bild und machte den Namen „Guernica“ bis heute zum Symbol gegen den Krieg und speziell gegen den Luftkrieg. Geflogen wurde der Angriff vor allem mit Ju (Junkers) 52-Behelfsbombern und Heinkel 111-Maschinen. Auch bei der Bombardierung Warschaus im September 1939 spielten Ju 52-Flugzeuge – diesmal Transportmaschinen – eine verhängnisvolle Rolle: Ein Geschwader Ju 52 kreiste über der polnischen Metropole und jeweils drei Wehrmachtssoldaten in jeder Maschine schippten mit Kartoffelschaufeln aus den Ladeluken Brandbomben auf die Millionenstadt. Warschau stand tagelang in Flammen und war – da vorher die Wasserleitungen durch Sprengbomben zerstört worden waren – nicht mehr zu löschen.

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Chorbesuch aus Gernika

Empfang des baskischen Chores Urdaibai Kantagunea in Neustadt a. Rbge. und Wunstorf und Eklat um den geplanten Besuch der Ju 52-Halle

Auf Einladung des DGB-Chores trat der Chor Urdaibai Kantagunea aus Gernika / Guernica am 9. November 2013 zusammen mit vielen anderen Chören auf dem 3. Chörefestival gegen Rechts in Hannover auf. Für den 10. November hatten die Städte Neustadt am Rübenberge und Wunstorf (Region Hannover), die in unmittelbarer Nähe des Fliegerhorstes Wunstorf liegen, die Chormitglieder eingeladen. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf war während der NS-Zeit ein Großteil der Bombereinheiten ausgebildet worden, die auf Seiten putschender Generale im Spanischen (Bürger-) Krieg republikanische Städte bombardierten – darunter die baskische Stadt Gernika. Wunstorf und Neustadt wollten ein Zeichen der Versöhnung setzen und sich der Geschichte stellen. Das Forum Stadtkirche Wunstorf organisierte einen gemeinsamen Auftritt des Chores Urdaibai Kantagunea und des DGB-Chores. Mitglieder des Chores aus Gernika hatten den Wunsch geäußert, anlässlich ihres Besuches in Wunstorf auch einmal den Fliegerhorst zu besichtigen. Die stellvertretende Wunstorfer Bürgermeisterin Birgit Mares organisierte daraufhin einen Besuch in der JU 52-Halle. Flugzeuge dieses Typs waren an der Zerstörung Gernikas beteiligt. Wenige Tage vor dem Besuch erhielt Hubert Brieden, Mitarbeiter des Arbeitskreises Regionalgeschichte, ein Einschreiben von der „Traditionsgemeinschaft Lufttransport Wunstorf e.V.“, dem Trägerverein der Ju 52-Halle. Darin wurde er aufgefordert, von einem Besuch der Halle zusammen mit den Chormitgliedern abzusehen. Gegebenenfalls erhalte er Hausverbot. Seit etwa 30 Jahren bestehen seitens des Arbeitskreises Regionalgeschichte solidarische Beziehungen zu Menschen in Gernika, die detailliert informiert sind über die Geschichte der Bombardierung ihrer Stadt, die Rolle der Nazi-Luftwaffe bei der Zerstörung Gernikas und auch über die Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf. Als die SängerInnen erfuhren, dass Hubert Brieden der Zugang verwehrt wurde, reagierten sie mit Unverständnis und Empörung und beschlossen, in Solidarität mit dem von ihnen sehr geschätzten Historiker auf den Museumsbesuch zu verzichten. Chorbesuch aus Gernika weiterlesen

Nazischmierereien in Wunstorf

Soeben haben wir erfahren, dass Neonazis in Wunstorf auf ihre Weise mit Farbschmierereien an die Zerstörung Dresdens erinnerten. Bei der Bombardierung Dresdens habe es sich um Völkermord gehandelt, behaupten die Nazis. Auf diese Weise soll – wie üblich – von der Verantwortung des NS-Regimes für die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges, vom Mord an den europäischen Juden und von weiteren Massenverbrechen abgelenkt werden. Deutsche sollen ausschließlich zu Opfern der Alliierten stilisiert werden. Dass ausgerechnet in Wunstorf versucht wird, mit der Erinnerung an Dresden, deutsche Verbrechen zu relativieren, demonstriert deutlich die Geschichtsvergessenheit und Demagogie der Neonazis. Denn aus Wunstorf kamen Bomberbesatzungen, die zuvor Guernica, Coventry und andere Städte in Schutt und Asche gebombt, die sich ohne Skrupel am Angriffskrieg gegen europäische Nachbarländer beteiligt hatten. Gerade in Wunstorf dürfte es schwierig sein, einen deutschen Opferkult zu inszenieren. Warum passiert es dennoch?
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