Engelbostel

Kriegsgefangenenlager Gastwirtschaft Tegtmeyer

Der Saal des von Christian Tegtmeyer betriebenen Gasthofes „Zum alten Krug“ (früher Engelbostel Nr. 18, heute Engelbostel-Resser Str. 1), soll schon seit Beginn des Krieges als Kriegsgefangenenlager gedient haben. Hier war wohl zunächst ein polnisches Arbeitskommando einquartiert. Vermutlich ab Sommer 1940 wurde dann das, aus etwa 50 Kriegsgefangenen bestehende Arbeitskommando 1023 oder 1028 im Saal untergebracht. Es setzte sich zu 25 % aus Belgiern und zu 75 % aus Franzosen zusammen. Die Gefangenen mußten für verschiedene landwirtschaftliche Betriebe, für mindestens einen der beiden im Ort ansäßigen Tischler, Hermann Hanebuth (Engelbostel Nr. 14) und Paul Baumgarte (Engelbostel Nr. 95), für den Stellmacher Heinrich Scharnhorst (Engelbostel Nr. 60), den Schmied Christian Feise (Engelbostel Nr. 43) und den Bäcker Hermann Cohrs (Engelbostel Nr. 112) arbeiten.1

Die Gastwirtschaft Tegtmeyer „Zum alten Krug“, 20142

Zivilarbeiter

Während des Zweiten Weltkriegs sollen in Engelbostel mindestens 167 Ausländer gemeldet gewesen sein.3 Diese Zahl läßt sich allerdings zur Zeit nicht überprüfen.

Russenlager

Auch ein Russenlager findet Erwähnung. Es ist allerdings weder bekannt, wo sich dieses genau im Ort befunden hat, noch ob es sich bei den dort untergebrachten Sowjetbürgern um Kriegsgefangene oder Zivilarbeiter gehandelt hat. Sie sollen noch bis zum 11.9.1945 in dem Lager gelebt haben und wurden dann von polnischen Displaced Persons abgelöst.4

Todesfälle

Auf dem Engelbosteler Friedhof waren vier Sowjetbürger und der polnische Zivilarbeiter Johann Zielinski († 3.5.1942) beerdigt. Zwei der Sowjetbürger wurden auf die Kriegsgräberstätte in Heemsen-Lichtenmoor, die restlichen drei Toten auf die Kriegsgräberstätte in Steimbke-Lichtenhorst umgebettet.5

Grabstein mit dem Namen des zunächst in Engelbostel beerdigten polnischen Zwangsarbeiters Johann Zielinski auf der Kriegsgräberstätte Steimbke-Lichtenhorst, 20146

 

© Helge Kister, Arbeitskreis Regionalgeschichte e. V.


1 Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Sammlung von Reproduktionen 3, Foto 3 Nr. 561
Hirle, Wilhelm: Dorfchronik Engelbostel; Heimatbund Niedersachsen Ortsgruppe Engelbostel, Selbstverlag ohne
Datum; S. 56f, 59, 63, 105f
2 Arbeitskreis Regionalgeschichte e. V., Bildarchiv Tim Rademacher
3 Nach Dokumenten des Digital Archive des ITS, Bad Arolsen in Wäldner, Christian-Alexander: Zwangsarbeit im Rahmen des Ausländereinsatzes in der heutigen Region Hannover; Scius Verlag, Hannover 2017; S. 18, 55
4 Hirle, Wilhelm: Dorfchronik Engelbostel; Heimatbund Niedersachsen Ortsgruppe Engelbostel, Selbstverlag ohne Datum; S. 106, 123
5 Aus: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933 – 1945 und das Präsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (Hrsg.); Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 – 1945, Niedersachsen
6 Arbeitskreis Regionalgeschichte e. V., Bildarchiv (Fotograf Tim Rademacher)