Radiosendungen, Texte und mehr

Protest gegen Militarisierung

FriedensdemonstrantInnen fordern Umbenennung der Oswald-Boelcke-Straße und ein Ende der Aufrüstung des Fliegerhorstes Wunstorf

Am Freitag, den 15. Mai 2015 veranstaltete das hannoversche Friedensbüro eine Fahrradtour zum Fliegerhorst Wunstorf. Unterwegs setzte sich die dreizehnköpfige Gruppe an der „Germania“ vor dem Hölty-Gymnasium und am Kriegerdenkmal mit der militärischen Traditionspflege in Wunstorf auseinander. Hubert Brieden vom Arbeitskreis Regionalgeschichte erläuterte Geschichte und Gegenwart der Denkmäler und sprach über die 1933 durch die Nazis veranlasste Umbenennung der Bahnhofstraße in Hindenburgstraße. Auch die Oswald-Boelcke-Straße erhielt diesen Namen 1936 erst durch die Wunstorfer NS-Machthaber, die damit das auf dem neu angelegten Fliegerhorst Wunstorf stationierte Traditionsgeschwader Boelcke ehren wollten. Flieger des Boelcke-Geschwaders waren während des Spanischen (Bürger-)Krieges und im Zweiten Weltkrieg u. a. an den vernichtenden Angriffen auf Gernika / Guernica und auf Coventry beteiligt.

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Gegensätzliche Erinnerungen

Reisegruppe aus Gernika zurück

In Gernika gedenkt man der Toten … in Wunstorf der Täter

Straßentheater in Gernika am 26. April 2015 – Erinnerung an die Opfer deutscher Ju-52-Bombenflugzeuge
Straßentheater in Gernika am 26. April 2015 – Erinnerung an die Opfer deutscher Ju-52-Bombenflugzeuge

Die fünfzehnköpfige Gruppe aus der Region Hannover und aus Lüneburg ist soeben von ihrer Reise nach Gernika / Guernica im spanischen Baskenland zurückgekehrt. Die Vernichtung der Stadt am 26. April 1937 vor allem durch deutsche Bombereinheiten der Legion Condor während des Spanischen (Bürger-) Krieges – darunter auch Flugzeugbesatzungen aus Wunstorf und Langenhagen –, ist bei den Menschen in Gernika bis heute fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Mit eindrucksvollen politischen und kulturellen Veranstaltungen, wurde an die Zerstörung der Stadt erinnert. Die BesucherInnen aus Deutschland wurden u.a. zur großen Gedenk- und Kulturveranstaltung am Vorabend des Jahrestages der Bombardierung eingeladen, an der sich mehr als 1000 Menschen beteiligten. Das Geheul von Sirenen und das Läuten der Kirchenglocken erinnerten am Nachmittag des 26. April an den Beginn des verheerenden Luftangriffs vor 78 Jahren und eines der ersten Flächenbombardements der Luftkriegsgeschichte. Abgeschlossen wurden die diesjährigen Feierlichkeiten durch mehrere Straßentheater und eine Lichterdemonstration.

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Proteste gegen A400M

Der A 400 M kommt – die Kriegsgefahr wächst

Presseerklärung des Arbeitskreises Regionalgeschichte

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie auf folgenden Sachverhalt aufmerksam machen:

1. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf (Region Hannover) wird nun als einzigem Militärflugplatz in Deutschland das Großraum-Transportflug A400M stationiert.

2. Dieser Flugzeugtyp dient der schnellen Verlegung von Soldaten und Material in Kriegs- und Krisengebiete und hat daher – ebenso wie der Fliegerhorst Wunstorf selbst – strategische Bedeutung für zukünftige internationale Kriege.

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Berufsverbote in den 1970er und 80er Jahren

Der Niedersächsische Landtag stellt sich der Geschichte

Radiofeature (Manuskript)

Gewidmet dem schwer verletzten Hildesheimer Pädagogen und vom Berufsverbot betroffenen Udo Paulus

Am 15. Mai 2014 beschloss der Niedersächsische Landtag, eine Kommission zur Aufarbeitung des sog. genannten „Radikalenerlasses“ einzurichten – im Volksmund eher bekannt unter dem Begriff „Berufsverbote“. Sollte dieses Vorhaben realisiert werden, wäre Niedersachsen das erste Bundesland, das sich anschickt, ein unrühmliches Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte dem Vergessen zu entreißen und – hoffentlich – zu korrigieren.

Im Landtagsantrag der Fraktionen von SPD und Grünen wird u. a. festgestellt:

– „dass politisch motivierte Berufsverbote, Bespitzelungen und Verdächtigungen nie wieder Instrumente des demokratischen Rechtsstaates sein dürfen,

– dass die Umsetzung des so genannten Radikalenerlasses ein unrühmliches Kapitel in der Geschichte Niedersachsens darstellt und das Geschehene ausdrücklich bedauert wird,

– dass die von niedersächsischen Maßnahmen betroffenen Personen durch Gesinnungsanhörungen, Berufsverbote, langwierige Gerichtsverfahren, Diskriminierungen oder auch Arbeitslosigkeit vielfältiges Leid erleben mussten,

– dass er (der Landtag) den Betroffenen Respekt und Anerkennung ausspricht und sich darüber hinaus bei denen bedankt, die sich z. B. in Initiativen gegen Radikalenerlass und Berufsverbote mit großem Engagement für demokratische Prinzipien eingesetzt haben.

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Verklärung der Ju 52 am Ihme-Zentrum in Hannover-Linden

Soeben kommen wir – eine Reisegruppe aus der Region Hannover – von den Gedenkfeierlichkeiten in Guernica / Gernika im spanischen Baskenland zurück. Jedes Jahr gedenkt man dort der Vernichtung der Stadt durch deutsche Bombenflugzeuge der Legion Condor während des Spanischen (Bürger-)Krieges am 26. April 1937. Deutsche Luftwaffeneinheiten unterstützten einen Putsch unter Führung des Generals Franco gegen die gewählte republikanische Regierung. Entsetzt über eines der ersten Flächenbombardements der Luftkriegsgeschichte gegen eine unverteidigte Stadt malte Pablo Picasso in den Wochen nach diesem Kriegsverbrechen sein wohl bekanntestes Bild und machte den Namen „Guernica“ bis heute zum Symbol gegen den Krieg und speziell gegen den Luftkrieg. Geflogen wurde der Angriff vor allem mit Ju (Junkers) 52-Behelfsbombern und Heinkel 111-Maschinen. Auch bei der Bombardierung Warschaus im September 1939 spielten Ju 52-Flugzeuge – diesmal Transportmaschinen – eine verhängnisvolle Rolle: Ein Geschwader Ju 52 kreiste über der polnischen Metropole und jeweils drei Wehrmachtssoldaten in jeder Maschine schippten mit Kartoffelschaufeln aus den Ladeluken Brandbomben auf die Millionenstadt. Warschau stand tagelang in Flammen und war – da vorher die Wasserleitungen durch Sprengbomben zerstört worden waren – nicht mehr zu löschen.

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Militarisierter Neujahresempfang der Stadt Neustadt a. Rbge.

Schreiben an den Bürgermeister

Zum Neujahresempfang der Stadt Neustadt a. Rbge. am 16. Januar 2014 wurde auch der Arbeitskreis Regionalgeschichte eingeladen. Doch der nahm diese Einladung nicht an und begründete dies in einem Schreiben an den Bürgermeister:

Sehr geehrter Herr Sternbeck,

vielen Dank für die Einladung des Arbeitskreises Regionalgeschichte zum Neujahresempfang 2014 der Stadt Neustadt a. Rbge. Wir wissen diese erste Einladung nach 33 Jahren ehrenamtlicher Arbeit zu schätzen und würden gerne mit Ihnen auf das neue Jahr anstoßen. Nicht zuletzt deshalb, weil Sie seit Ihrem Amtsantritt als Neustädter Bürgermeister auf unterschiedliche, unvoreingenommene Weise die regionale Geschichts- und Erinnerungsarbeit unterstützten und dabei auch kontroversen, über Jahrzehnte verdrängten Themen nicht auswichen.

Leider wird es zu dieser Begegnung nicht kommen, weil die Bundeswehr den Neujahresempfang mitorganisiert und diesen durch das angewiesene Tragen von Uniformen sowie Darbietungen des Heeresmusikkorps dominiert und als Werbeveranstaltung nutzt. Vielleicht fragen Sie nun, was daran so schlimm sein soll. Die Antwort erhalten Sie durch einen Blick in die deutsche (Militär-) Geschichte:

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Chorbesuch aus Gernika

Empfang des baskischen Chores Urdaibai Kantagunea in Neustadt a. Rbge. und Wunstorf und Eklat um den geplanten Besuch der Ju 52-Halle

Auf Einladung des DGB-Chores trat der Chor Urdaibai Kantagunea aus Gernika / Guernica am 9. November 2013 zusammen mit vielen anderen Chören auf dem 3. Chörefestival gegen Rechts in Hannover auf. Für den 10. November hatten die Städte Neustadt am Rübenberge und Wunstorf (Region Hannover), die in unmittelbarer Nähe des Fliegerhorstes Wunstorf liegen, die Chormitglieder eingeladen. Auf dem Fliegerhorst Wunstorf war während der NS-Zeit ein Großteil der Bombereinheiten ausgebildet worden, die auf Seiten putschender Generale im Spanischen (Bürger-) Krieg republikanische Städte bombardierten – darunter die baskische Stadt Gernika. Wunstorf und Neustadt wollten ein Zeichen der Versöhnung setzen und sich der Geschichte stellen. Das Forum Stadtkirche Wunstorf organisierte einen gemeinsamen Auftritt des Chores Urdaibai Kantagunea und des DGB-Chores. Mitglieder des Chores aus Gernika hatten den Wunsch geäußert, anlässlich ihres Besuches in Wunstorf auch einmal den Fliegerhorst zu besichtigen. Die stellvertretende Wunstorfer Bürgermeisterin Birgit Mares organisierte daraufhin einen Besuch in der JU 52-Halle. Flugzeuge dieses Typs waren an der Zerstörung Gernikas beteiligt. Wenige Tage vor dem Besuch erhielt Hubert Brieden, Mitarbeiter des Arbeitskreises Regionalgeschichte, ein Einschreiben von der „Traditionsgemeinschaft Lufttransport Wunstorf e.V.“, dem Trägerverein der Ju 52-Halle. Darin wurde er aufgefordert, von einem Besuch der Halle zusammen mit den Chormitgliedern abzusehen. Gegebenenfalls erhalte er Hausverbot. Seit etwa 30 Jahren bestehen seitens des Arbeitskreises Regionalgeschichte solidarische Beziehungen zu Menschen in Gernika, die detailliert informiert sind über die Geschichte der Bombardierung ihrer Stadt, die Rolle der Nazi-Luftwaffe bei der Zerstörung Gernikas und auch über die Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf. Als die SängerInnen erfuhren, dass Hubert Brieden der Zugang verwehrt wurde, reagierten sie mit Unverständnis und Empörung und beschlossen, in Solidarität mit dem von ihnen sehr geschätzten Historiker auf den Museumsbesuch zu verzichten. Chorbesuch aus Gernika weiterlesen

Lüneburg Guernica unerwünscht

Kriegerdenkmal … Friedensdenkmal … Kriegerdenkmal …

Seit Anfang des Jahres 2013, wendet sich eine Initiative: “dragoner-denk-mal-nach” in Lüneburg gegen die Restaurierung und Wiederaufstellung eines Kriegerdenkmals von 1939. In einer beachteten Kunstaktion am 8. September 2013, dem “Tag des offenen Denkmals”, gestalteten Mitglieder der Initiative den zur Zeit leeren Sockel des Dragoner-Denkmals mit einer Reproduktion der Picasso-Bildes “Guernica” zu einem Friedensdenkmal um. In einem Textteil erinnerten sie an die Beteiligung Lüneburger Militärs an Verbrechen während mehrerer Kriege seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Lüneburg Guernica unerwünscht weiterlesen

Bad Nenndorf ist bunt – Nazis erfolgreich blockiert

Gegen den Widerstand der Bad Nenndorfer Bevölkerung und anderer AntifschistInnen fand am 3. August 2013 wieder einmal ein Aufmarsch von Alt- und Neonazis in Bad Nenndorf statt. Und dies, obwohl bei den Aufmärschen der letzten Jahre die NS-Diktatur verherrlicht worden war und öffentlich Nazisymbole gezeigt worden waren – ein eindeutiger Verstoß gegen §139 des Grundgesetzes. Davon unbeeindruckt hatte das hannoversche Verwaltungsgericht in diesem Jahr den NS-Nostalgikern ausdrücklich eine Kundgebung auf der Bahnhofstraße vor dem Wincklerbad genehmigt und dafür die durch die Bürgerinitiative “Bad Nenndorf ist bunt” am selben Ort angemeldete Kundgebung zeitlich begrenzt. Als die TeilnehmerInnen der antifaschistischen Kundgebung den Platz nicht räumen wollten, versuchte die Polizei ihn für die etwa 280 angereisten Nazis freizumachen, obwohl schnell klar war, dass dies nicht rechtzeitig gelingen würde. Die Massensitzblockade vor dem Wincklerbad, in der sich mehre Gruppen mit Bügelschlössern und in einer kleinen Pyramide angekettet hatten, verhinderte die angemeldete Kundgebung der Nazis. Noch während der Platz geräumt wurde, riefen die Nazis, die vorgaben einen “Trauermarsch” in Erinnerung an Gefangenenmisshandlungen der Alliierten im Wincklerbad zu veranstalten, über Lautsprecher dazu auf, Gewalt gegen die Angeketteten anzuwenden: Man solle sie an den Bügelschlössern auseinanderreißen oder den in der Pyramide festgemachten die Finger abschneiden.
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Gernika-Ausstellung stieß auf großes Interesse

Vom 7. – 25. April 2013 war in Wunstorf (Region Hannover) in der Stadtkirche die Ausstellung „Ein voller Erfolg der Luftwaffe“ – die Vernichtung von Guernica / Gernika am 26. April 1937 – Geschichte und Gegenwart eines deutschen Kriegsverbrechens zu sehen.

Mehr als 600 BesucherInnen schauten sich die Ausstellung an. Die Begleitveranstaltungen waren sehr gut besucht. Das große Interesse hat einen Grund: Auf dem Fliegerhorst Wunstorf lernten rund 70 Prozent der Bomber- und Aufklärungseinheiten der „Legion Condor“ ihr “Handwerk”. Die Bombenflugzeuge der Legion Condor zerstörten im Spanischen Bürgerkrieg Städte und Dörfer – darunter die baskische Stadt Gernika. Über Jahrzehnte wurde dieses Kapitel der regionalen Geschichtsschreibung aus Rücksicht auf den Bundeswehrfliegerhorst (!) zunächst verschwiegen, später relativiert. In Wunstorf hat eine offene Diskussion über die “vergessene” Geschichte begonnen.
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