Veranstaltungen

Heimat der Torffräsen – Rund um das Tote Moor

(Radtour, ca. 30 km, ca. 4 Stunden)

Das Steinhuder Meer und gelegentlich das Tote Moor sind bekannt als Rückzugsgebiete für selten gewordenen gewordene Tiere und Pflanzen. Obwohl Teile des Toten Moores inzwischen unter Naturschutz stehen, geht die industrielle Zerstörung des Toten Moores weiter, die Torffräsen bleiben in Betrieb.

Auf der Radtour geht es um die Entstehung von Moor und Meer, um die Konflikte zwischen Umweltschutz und industriellem Torfabbau, um die schwere Arbeit von Moorbauern, Torfstechern, Kriegsgefangenen und um ein längst vergessenes Hüttenwerk. Eine Radtour durch eines der interessantesten Kapitel der Sozialgeschichte in der Region Hannover.

Die Radtour ist auch von Nichtsportlern leicht zu schaffen. Bei Bedarf werden Pausen eingelegt.

Kostenbeitrag p/Person: 5,- €

14. Juli 2019, Abfahrt: 10 Uhr Neustadt a. Rbge, ZOB – Bahnhofsvorplatz

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Veranstaltungsvorschau Herbst 2019

Heimat, schöne Fremde“

Geschichte und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs

 Eine Ausstellung

„Heimat“ ist ein schillernder Begriff, der erst seit dem 19. Jahrhundert seine widersprüchliche Bedeutung und Wirksamkeit entfaltete und bis heute kontrovers diskutiert wird. Unter dem Schlagwort „Heimat“ kann sich Protest gegen Industrielaisierung und Umweltzerstörung artikulieren, aber auch rückwärts gewandter Nationalismus, Ausgrenzung, Antisemitismus und eine weltferne Idylle. „Heimat“ könnte auch einfach ein Gefühl von guter Nachbarschaft und Geborgenheit bedeuten. Gibt es überhaupt eine territorial eingrenzbare Heimat? Nimmt man „die Heimat“ mit, wenn man weggeht? Oder kann in „der Fremde“ eine neue Heimat  gefunden werden? Findet man sie in der Sprache?

Und: Warum ist dieses mehrdeutige Wort heute in aller Munde?

In der Ausstellung skizziert Hubert Brieden die Geschichte des Begriffs „Heimat“. Die Kunstinstallationen von Kerstin Faust versuchen eine emotionale Annäherung an das Thema.

Mittwoch, 23.10. – Dienstag, 10.12.2019

VHS Hannover-Land, Veranstaltungszentrum Leinepark, Foyer

Suttorfer Str. 8, 31535 Neustadt

Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 9-16 Uhr

Vernissage mit literarischer Lesung: 23.10.2019, 19.30 Uhr

Führungen durch die Ausstellung können angemeldet werden beim Arbeitskreis Regionalgeschichte:

Tel.: 05032-61705 – Mail: ak.reg@t-online.de

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Vernissage

Heimat ist … ?

– Literatur, einschlägige Musik und ein erster Überblick –

Lesung mit Hubert Brieden

„Feldgraue Stämme, steilauf gestrafft / wie Heldenleiber, schlank und voll Kraft, / und in den Buchenkronen ein Braus / von deutscher Heimat und deutschem Haus“, dichtete Dietrich Vorwerk bei Kriegsausbruch 1914. Gerhard Hauptmann im selben Jahr: „O mein Vaterland, heiliges Heimatland / was du sagst, das will ich gerne tun“. Das wollte Kurt Tucholsky 1929 nicht: „Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben.“ Für Wehrmachtsoldaten und Heimatfront reimte Erich Knauf 1942: „Ost und West hab ich durchmessen / doch die Heimat nicht vergessen“. Angesichts der Ruinen nach dem Zweiten Weltkrieg war für Heinrich Böll klar: „Für mich ist also Heimat in einem fast schon metaphysischen Sinne zerstört, nicht nur im physischen.“ Schlagersänger Freddy Quinn dagegen wusste: „Wo ich die Liebste fand / da liegt mein Heimatland.“ Thomas Bernhard aus Österreich konstatierte: „Meine Heimatstadt ist in Wirklichkeit eine Todeskrankheit …“.

Wovon ist die Rede? Die Lage scheint unübersichtlich.

Mittwoch, 23.10.2019, 19.30 Uhr

VHS Hannover-Land, Raum 7, Suttorfer Straße 8, 31535 Neustadt

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Graffito in Neustadt a. Rbge. mit dem Umriss des Mahnmals für die Neustädter Opfer des Holocaust, Mai 1919

Ausgegrenzt und heimatlos: Jüdisches Leben in Neustadt am Rübenberge

 – Stadtrundgang –

Seit Jahrhunderten wurden jüdische Menschen aus der christlich dominierten Gesellschaft ausgegrenzt. Sie hatten kein Heimatrecht. Im 19. Jahrhundert forderten Antisemiten, Juden die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie als Heimatfremde zu vertreiben. Die Nazis setzten das alles in die Tat um und ermordeten schließlich 6 Millionen Jüdinnen und Juden in Europa. Auch die jüdische Gemeinde in Neustadt a. Rbge. wurde vernichtet. Dennoch sind auch heute noch Häuser in Neustadt zu finden, in denen jüdische Familien lebten und arbeiteten. Es gibt Gebäude, Straßen und Plätze, die für die Geschichte der traditionsreichen jüdischen Gemeinde von besonderer Bedeutung waren. Darüber hinaus spiegelt sich im Straßenbild ein mehr als dreißigjähriger Diskurs um das öffentliche Gedenken an die Vertriebenen und Ermordeten.

Sonntag, 3.11.2019, 11 Uhr: Zwischen den Brücken

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Plakat zu den Reichstagswahlen 1924

Heimat? Was ist das denn? – Ein Blick in Geschichte und Gegenwart

 Illustrierter Vortrag von Hubert Brieden

Eine Definition des Begriffs „Heimat“ sucht man meist vergeblich. Dabei wurde mit ihm seit dem 19. Jahrhundert Politik gemacht. Als juristische Definition legte er zunächst fest, dass nur derjenige Heimatrecht besaß, der über Grund und Boden verfügte. Arbeiter hatten daher keine Heimat, waren „vaterlandslose Gesellen“. In deutschnationalen Kreisen galten auch Juden als heimatfremd. Der Begriff wurde mit biologistisch-rassistischen Elementen aufgeladen. Während der NS-Diktatur diente er der Ausgrenzung von Juden, „Zigeunern“, „Asozialen“ und politischen Gegnern. Sie alle hatten keinen Platz in der „deutschen Volksgemeinschaft“. Auf die Förderung des Heimatgedankens wurde in dieser Zeit großen Wert gelegt. Heimatfeste waren allgegenwärtig. In vielen Orten – so auch in Neustadt a. Rbge. – wurden Heimatmuseen eingerichtet, die ein völkisches Heimatgefühl popularisieren sollten.

Nach dem Krieg fand eine kritische Reflektion des Begriffs meist nicht statt. Heimatfilme und -musik erfreuten sich wieder großer Beliebtheit.

Mittwoch, 13.11.2019, 19.30 Uhr

VHS Hannover-Land, Raum 7, Suttorfer Straße 8, 31535 Neustadt