Veranstaltungen

Vergessene“ Geschichte

Berufsverbote

Politische Verfolgung in der Bundesrepublik Deutschland

– Ausstellung –

Ende der 1960er Jahre stellten sich westdeutsche Politiker*innen, Jurist*innen, Polizei und Geheimdienste die Frage, wie die Massenproteste an Universitäten und in Betrieben eingedämmt werden könnten. Besonders fürchteten die staatlichen Organe, dass eine neue linke Studentengeneration in staatliche Strukturen einsickern und diese von innen verändern könnte. Eine 1971 eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe diskutierte Möglichkeiten, linke Kritiker aus dem Öffentlichen Dienst fernzuhalten. Die zu ergreifenden Maßnahmen sollten einschüchtern und abschrecken. Auf Grundlage dieser Vorarbeiten verabschiedete die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder am 28. Januar 1972 den so genannten Radikalenerlass. Die Folgen: Etwa 3,5 Millionen Personen wurden politisch überprüft. Die Geheimdienste meldeten den Einstellungsbehörden zwischen 25 000 und 35 000 „verdächtige“ Bewerber*innen. Mehr als 10 000 Berufsverbotsverfahren wurden eingeleitet, etwa 2250 Bewerber*innen nicht eingestellt und 256 Beamt*innen entlassen. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen.

In der Ausstellung wird das gesellschaftliche Klima der damaligen Zeit dargestellt, gleichzeitig aber auch auf die historischen Vorbilder und die Konsequenzen dieser Politik der Einschüchterung verwiesen. Diese dauern an und der angerichtete Schaden wurde bis heute nicht wieder gutgemacht. Die 2015 produzerte Ausstellung wurde bereits in zahlreichen deutschen Städten und eine englische Fassung in Dänemark gezeigt.

27. April – 1. Juni 2018

Neustadt a. Rbge, Foyer der Volkshochschule (Veranstaltungszentrum Leinepark), Suttorfer Str. 8

Vernissage: Eröffnung und Einführung in die Thematik der Ausstellung

Freitag, 27.4.2018, 19.30 Uhr

Ausstellungsflyer als pdf-Datei


Begleitveranstaltungen

Vernissage und Ausstellungseröffnung

Berufsverbote? Was ist das denn?“ – So die Reaktion vieler Menschen, die die 1960er und 1970er Jahre nicht miterlebten. Viele können sich keine Vorstellung machen vom Gefühl des Aufbruchs und der Veränderung, aber auch keine von dem Umfang und den Folgen der bald einsetzenden staatlichen Repression.

Vom Berufsverbot Betroffene aus Hannover und Neustadt a. Rbge. berichten über ihre Erfahrungen und erläutern Inhalte und Struktur der Ausstellung.

Mit literarischen Texten soll eine Annäherung an die damalige Zeit versucht werden.

Freitag, 27. April 2017, 19.30 Uhr, Foyer u. Raum 17, 1. Etage

VHS Hannover-Land / Veranstaltungszentrum Leinepark

Suttorfer Str. , 31535 Neustadt a. Rbge.

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TRUMBO

Spielfilm, USA 2015, 124 Min, Regie: Jay Roach

Trumbo“ erzählt von der aggressiven Kommunistenhatz der McCarthy-Ära in den USA Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre.

Dalton Trumbo war der prominenteste der „Hollywood Ten“, jener zehn Autoren und Regisseure, die 1947 vor das „Komitee für „unamerikanische Umtriebe“ zitiert wurden, um befragt zu werden, ob sie kommunistische Inhalte in ihre Filme eingeschmuggelt hätten und ob sie Parteimitglieder seien. Vor allem aber sollten sie andere der Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei bezichtigen, obwohl diese Mitgliedschaft nicht mal verboten war. Die „Hollywood Ten“ verweigerten die Aussage und landeten erst im Gefängnis und dann auf der schwarzen Liste. Sie durften für keine Filmfirma mehr arbeiten, die Mitglied der „Motion Picture Association of America“ war.

Es wurde dann ein politisches Kräftemessen unter Superstars der damaligen Zeit. Auf der Seite der Jäger war John Wayne die Leitfigur; die freie Rede verteidigten Gregory Peck, Humphrey Bogart und Lauren Bacall.

Der Film zeigt die Hexenjagd auf Andersdenkende und die persönlichen Folgen für die Betroffenen.

Doch Trumbo trotzte der Situation – gewann sogar zwei Oscars, während er auf der schwarzen Liste stand, 1953 für „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck, 1956 für „Roter Staub“. Die Auszeichnungen mussten damals Strohmänner entgegennehmen.

Dienstag 8. Mai 2018, 19.30 Uhr

VHS Hannover-Land / Veranstaltungszentrum Leinepark, Kino

Suttorfer Str. , 31535 Neustadt a. Rbge.

In Kooperation mit dem Filmclub Leinepark e.V. Neustadt

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Der Mord an Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 und die Folgen

Film / Vortrag / Diskussion mit Klaus Gietinger (Regisseur und Autor)

Der 2. Juni 1967 ist ein folgenreiches Datum in der deutschen Nachkriegsgeschichte: An diesem Tag erschoss ein Westberliner Polizeibeamter den aus Hannover stammende Studenten Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den Schah von Persien. Nach diesem ersten Toten der Studentenbewegung wuchs die Angst vor einem entfesselten Polizeistaat, der – wie die Westberliner Bereitschaftspolizei – durchsetzt war von ehemaligen NS-Tätern. Der Todesschütze wurde nie betraft und arbeitete – wie sich später herausstellte – nebenbei auch noch für die Stasi. Am 11. April 1968 schoss ein Neonazi den Studentenführer Rudi Dutschke nieder, am 30. Mai 1968 wurden die Notstandsgesetze von einer Großen Koalition aus CDU und SPD verabschiedet, mit denen das Grundgesetz teilweise außer Kraft gesetzt und deutsches Militär für Einsätze im Inneren ermächtigt werden konnte. Ab 1971 diskutierte eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, wie man linke Kritiker aus dem Öffentlichen Dienst fernhalten könnte. Eine unheilvolle Entwicklung nahm ihren Lauf …

Zur Rekonstruktion des Mordes an Benno Ohnesorg, der die Bundesrepublik verändern sollte, werden bislang wenig bekannte Film- und Fotoaufnahmen verwendet.

Donnerstag, 24. Mai 2017, 19.30 Uhr, Raum 17, 1. Etage

VHS Hannover-Land / Veranstaltungszentrum Leinepark

Suttorfer Str. , 31535 Neustadt a. Rbge.


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Hexen, Juden, Sündenböcke

Die Neustädter Hexenprozesse und das Spiel der Macht

Geschichts- und Kunstausstellung

von Hubert Brieden und Kerstin Faust

Zwischen 1567 und 1574 kam es im Fürstentum Calenberg-Göttingen, zu dem auch die heutige Region Hannover gehörte, auf Veranlassung des Landesherrn Herzog Erich II. zu einer Reihe von Hexenprozessen, die wegen ihrer Brutalität auch überregional Aufsehen erregten und denen zahllose Menschen zum Opfer fielen. Selbst adlige Frauen aus dem Umfeld der Herzogin verschwanden in den Folterkellern des Schlosses in Neustadt a. Rbge. – ein für damalige Verhältnisse unerhörter Vorgang. Erst nach der Intervention des Kaisers und anderer einflussreicher Persönlichkeiten konnten fünf Frauen gerettet werden. Doch die meisten Opfer stammten weder aus dem Adel noch verfügten sie über ausreichendes Vermögen um sich retten zu können. Von vielen sind nicht einmal die Namen überliefert.

Zur gleichen Zeit fand ein schauriger Prozess gegen zwei Juden statt. Bereits 1553 hatte die Landesherrschaft das erste antijüdische Edikt erlassen, das Juden den Aufenthalt im Fürstentum Calenberg-Göttingen untersagte und es 1574 noch einmal bekräftigt.

In der Ausstellung werden Ursachen, Verlauf und Folgen der Hexenprozesse dargestellt, die nicht im „finsteren Mittelalter“ stattfanden, sondern in der frühen Neuzeit und daher mehr mit der Gegenwart zu tun haben könnten, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Kombination von historischer und künstlerischer Darstellung soll eine intellektuelle und emotional-assoziative Annäherung an dieses schwierige und erschreckende Thema erleichtern.

3. Mai – 30. Juni 2018

ver.di-Höfe, Veranstaltungszentrum Rotation

Goseriede 10, 30159 Hannover

Eröffnung und Erläuterung der Ausstellung:

Donnerstag, 3. 5. 2018, 19 Uhr, Raum 12


Begleitveranstaltung

Antijüdische Hetzschrift Martin Luthers 1543

Dass man ihre Synagogen mit Feuer anstecke …“

Martin Luther und die Verfolgung der Juden in Deutschland

Illustrierter Vortrag von Hubert Brieden

Die Hexenprozesse in Calenberg-Göttingen fanden in unruhigen Zeiten statt: Kriegszüge und Wirtschaftskrisen bestimmten das Alltagsleben und die Reformation hatte sich noch nicht endgültig im Fürstentum durchgesetzt. Katholische und protestantische Fraktionen der Landesherrschaft kämpften um Macht und Einkommen. Aufstandsbewegungen sorgten in anderen Teilen Deutschlands und Europas für Unruhe in den Herrscherhäusern. Die Hexenprozesse zwischen 1567 und 1574 stellten einen Versuch Herzog Erichs II. dar, die Reformierung seines Fürstentums rückgängig zu machen. Gleichzeitig wurde jüdischen Einwohnern der Aufenthalt im Land verboten und ein grausiger Prozess gegen zwei Juden geführt. Vor der Hinrichtung sollten sie durch Folter zum christlichen Glauben bekehrt werden.Im Vortrag werden die Voraussetzungen für den weit verbreitete Teufels- und Hexenwahn analysiert und die Frage gestellt, welche Rolle die Schriften des Reformators Martin Luther bei der Durchsetzung des Judenhasses in Deutschland spielten und welche Langzeitwirkung sie entfalteten.

Donnerstag, 31. Mai 2018, 19 Uhr,

ver.di-Höfe, Veranstaltungszentrum Rotation, Raum 12

Goseriede 10, 30159 Hannover


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Vorschau

25. September 2018: Verlegung weiterer Stolpersteine in Neustadt a. Rbge., Wallstraße und Leinstraße

18. Oktober – 20. Dezember 2018: Novemberrevolution – eine Ausstellung, Veranstaltungszentrum Rotation, Goseriede 10, Hannover

18. Oktober 2018, 19.30 Uhr: Vernissage zur Ausstellung „Novemberrevolution“ und Konzertlesung, Veranstaltungszentrum Totation, Goseriede 10, Hannover

6. November 2018, 10.30 Uhr: Klaus Gietinger – November 1918, der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts – Vortrag und Lesung