Veranstaltungen

Veranstaltungsreihe im Rahmen des Projektes „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“:

Gesamtprogramm zum Lesen und Herunterladen!

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Verschweigen und Erinnern – Die langen Schatten der NS-Diktatur

Das Beispiel Neustadt am Rübenberge

Ein Überblick von 1945 bis heute

Ausstellung

Am 7. April 1945 rückten britische Truppen in Neustadt ein und bezahlten einen hohen Preis für die Befreiung der Stadt: 28 Soldaten starben bei der Sprengung der Leinebrücke durch ein Wehrmachtskommando. Während sich die hitlertreuen Soldaten nach Osten absetzten, fürchteten Neustädter NS-Funktionäre und ihre Unterstützer nun die Rache der Sieger. Belastende Akten, Literatur, Parteiabzeichen, Uniformen und Nazidevotionalien wurden vernichtet. Viele in der Kleinstadt wussten, welche Verbrechen begangen worden waren und kannten die Täter. Die Opfer hofften, dass diese zur Rechenschaft gezogen würden. Das war die Ausgangssituation. In der Ausstellung wird ein Überblick gegeben, wie mit der NS-Geschichte umgegangen wurde.

21. September – 24. Oktober 2021

Rosenkrug, Neustadt a. Rbge., Nienburger Straße 28

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Der Neustädter Landrat Johannes Specht in SA-Uniform

„Die wahre Volksgemeinschaft“ oder: „Es ging los, wie in alten Zeiten.“

Karrieren Neustädter NS-Täter

Vortrag von Hubert Brieden

Die Neustädter Geschichtsschreibung zur NS-Zeit konzentrierte sich bislang auf das Schicksal der Opfer. Die Täter gerieten nur gelegentlich in den Blick. Aber wie kann die NS-Geschichte, ihre Voraussetzungen und Folgen verstanden werden, wenn nicht auch die Karrieren der Träger des NS-Regimes analysiert werden? Um diese Forschungslücke zu schließen, hat der Arbeitskreis Regionalgeschichte das Forschungsprojekt „Neustädter NS-Täter“ begonnen. Einige Arbeitsergebnisse flossen auch in die Ausstellung „Verschweigen und Erinnern“ ein. Im Vortrag werden die politischen Biografien einiger Täter zu Zeiten der Weimarer Republik, während der NS-Diktatur, in der Nachkriegszeit und in der Bundesrepublik exemplarisch vorgestellt.

Donnerstag, 30. September, 2021, 19 Uhr

Neustadt a. Rbge., Rosenkrug, Altrewa Bürgerstiftung

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Jüdisches Leben in Neustadt am Rübenberge

Stadtrundgang

Seit Jahrhunderten wurden jüdische Menschen aus der christlich dominierten Gesellschaft ausgegrenzt. Im 19. Jahrhundert forderten Antisemiten, Juden im Alltagsleben zu diskriminieren, ihnen die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie zu vertreiben. Die Nazis setzten das alles in die Tat um und ermordeten schließlich 6 Millionen Jüdinnen und Juden in Europa. Auch die jüdische Gemeinde in Neustadt a. Rbge. wurde vernichtet. Dennoch sind heute noch Häuser in Neustadt zu finden, in denen jüdische Familien lebten und arbeiteten. Es gibt Gebäude, Straßen und Plätze, die für die Geschichte der traditionsreichen jüdischen Gemeinde von besonderer Bedeutung waren. Darüber hinaus spiegelt sich im Straßenbild ein mehr als dreißigjähriger Diskurs um das öffentliche Gedenken an die Vertriebenen und Ermordeten.

Sonntag, 24. Oktober 2021, 11 Uhr: Zwischen den Brücken,

Mahnmal für die Opfer des Holocaust, Neustadt a. Rbge.

Der Rundgang findet unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen statt. Eine Voranmeldung ist sinnvoll. Mail: ak.reg@t-online.de / Tel.: 05032-61705

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Eine Heinkel 111 bombardiert Warschau

Besonders stark brennt das Judenviertel …“

Die deutsche Luftwaffe und der Holocaust

Radiofeature von Hubert Brieden

Mit dem Angriff auf Polen begann der Zweite Weltkrieg. Wesentlichen Anteil am Erfolg dieses ersten „Blitzkrieges“ hatte die Luftwaffe, die ihr Handwerk unter Kriegsbedingungen während des Spanischen Bürgerkrieges perfektioniert hatte. Auch Bomberbesatzungen des Kampfgeschwaders Boelcke von den Fliegerhorsten Wunstorf, Langenhagen und Delemenhorst-Adelheide hatten als Bestandteil der Legion Condor Luftangriffe gegen republikanische Städte auf der iberischen Halbinsel geflogen, darunter den auf die baskische Stadt Guernica.

Am 1. September 1939 starteten die Flieger zum Angriff auf Ziele in Polen. Neben militärischen Zielen wurden auch Wohnviertel bombardiert. Doch nicht nur das: Am 13.9.1939 flogen deutsche Bombereinheiten einen Angriff gegen das große jüdische Viertel in Warschau. Die Besatzungen orientierten sich an Luftbildern, auf denen die jüdischen Wohngebiete besonders markiert waren. Nach dem Abwurf von rund 7000 Brandbomben und eigens präparierten Brandtanks standen ganze Straßenzüge des jüdischen Viertels in Flammen und waren tagelang nicht zu löschen.

Dieser Luftangriff war kein Einzelfall. Und auch das Kampfgeschwader 27 Boelcke war an ähnlichen Angriffen beteiligt. Bis heute wird dieses Kapitel der Militärgeschichte – die Beteiligung der Luftwaffe an der Judenvernichtung – weitgehend verschwiegen. Sprecher*innen: Mechthild Dortmund und der Autor.

Da der ursprünglich vorgesehene Vortrag an der Volkshochschule Hannover-Land wegen des Kulturlockdowns ausfallen musste, wird das Radiofeature bei Radio Flora als Podcast angeboten. Zum Podcast hier klicken.

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Jüdisches Leben in Neustadt am Rübenberge

Ausstellung

In der Nacht des Pogroms vom 9. November 1938 werden die letzten aktiven Mitglieder der Neustädter Synagogengemeinde verhaftet, das jüdische Gebetshaus und Wohnungen verwüstet. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten jüdischen Neustädterinnen und Neustädter bereits aus der Stadt geflohen. Tagtägliche Schikanen, allgegenwärtiger Hass und die systematische Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen haben ihnen das Leben in der Kleinstadt unmöglich gemacht. 1939 lebt nur noch eine Jüdin in Neustadt, die kurz vor Kriegsende noch verschleppt wird.

Doch auch in Hannover, Bremen, Hamburg oder Amsterdam sind die Geflohenen nicht sicher, sie werden in die Vernichtungslager deportiert und ermordet. Einigen gelingt die Flucht nach England oder Amerika, wo sie sich unter großen Mühen ein neues Leben aufbauen.

Antisemitismus, Rassenwahn und Krieg führen dazu, dass eine über Jahrhunderte in Neustadt lebende Minderheit vernichtet wird.

Mit der Ausstellung soll an die Geschichte der jüdischen Neustädterinnen und Neustädter erinnert werden.

16. September –  29. Oktober 2021

VHS Hannover-Land (Foyer), Neustadt a. Rbge., Schlossstraße

 

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Fleischextrakt im Tausch gegen Elfenbein und andere Rohstoffe, Sammelbild von 1891

Weiß auf Schwarz – Geschichte von Ungleichheit und Rassismus – ein Radioprojekt

Bereits vor der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch weiße Polizisten in den USA und den massenhaften antirassistischen Protesten bereitete Radio Flora in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Regionalgeschichte ein Radioprojekt vor, das die Geschichte der Ungleichheit und des Rassismus thematisieren soll. Die Ereignisse in den USA haben dem Projekt eine nicht vorhersehbare Brisanz und Aktualität verliehen. Zur Zeit bereiten verschiedene Redaktionen Beiträge unterschiedlicher Art vor, die kontinuierlich an dieser Stelle präsentiert werden:  http://radioflora.de/weiss-auf-schwarz-geschichte-von-ungleichheit-und-rassismus-ein-radioprojekt/

Akustische Ankündigung, die gerne weiterverbreitet werden kann:

Beiträge, die in Kooperation des Arbeitskreises Regionalgeschichte und der Redaktion International von Radio Flora produziert wurden:

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Heimat? Was ist das denn? – Ein Blick in Geschichte und Gegenwart

Illustrierter Vortrag von Hubert Brieden

Eine Definition des Begriffs „Heimat“ sucht man meist vergeblich. Dabei wurde mit ihm seit dem 19. Jahrhundert Politik gemacht. Als juristische Definition legte er zunächst fest, dass nur derjenige Heimatrecht besaß, der über Grund und Boden verfügte. Arbeiter hatten daher keine Heimat, waren „vaterlandslose Gesellen“. In deutsch-nationalen Kreisen galten auch Juden als heimatlos und kosmopolitisch. Der Begriff „Heimat“ wurde mit biologistisch-rassistischen Elementen aufgeladen. Während der NS-Diktatur diente er der Ausgrenzung von Juden, „Zigeunern“, „Asozialen“ und politischen Gegnern. Sie alle hatten keinen Platz in der „deutschen Volksgemeinschaft“. Auf die Förderung des Heimatgedankens wurde in dieser Zeit großen Wert gelegt. Heimatfeste waren allgegenwärtig. In vielen Orten – so auch in Neustadt a. Rbge. – wurden Heimatmuseen eingerichtet, die ein völkisches Heimatgefühl popularisieren sollten.

Nach dem Krieg fand eine kritische Reflexion des Begriffs kaum statt. Heimatfilme und -musik reproduzierten bekannte Klischees und erfreuten sich wieder großer Beliebtheit.

Der Vortrag sollte am Dienstag, 3. November 2020 im Veranstaltungszentrum „Rotation“ in Hannover gehalten werden, musste aber wegen des Corona-Teil-Lockdowns vor allem für Kultur- und Bildungsveranstaltungen abgesagt werden. Er wurde daher – allerdings ohne Bilder – bei Radio Flora als Podcast eingestellt und ist dort zu hören und herunterzuladen: http://radioflora.de/heimat-was-ist-das-denn-ein-blick-in-geschichte-und-gegenwart/

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