„Ein voller Erfolg der Luftwaffe …“ – Die Vernichtung von Guernica am 26. April 1937

Geschichte eines Kriegsverbrechens und die Fliegerhorste Wunstorf und Langenhagen

Am 26. April 1937 wurde die baskische Stadt Guernica/Gernika durch deutsche Kampfflieger der Legion Condor während des Spanischen Bürgerkrieges fast vollständig vernichtet. Dieses Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung einer unverteidigten Stadt löste weltweit Entsetzen aus. Pablo Picasso schuf unter dem Eindruck der Vernichtung sein wohl bekanntestes Bild, nannte es einfach „Guernica“ und machte diesen Namen bis heute zum Synonym für faschistischen Terror und die Schrecken des Luftkrieges.

Ein Teil der Täter, die in Spanien Francos Militärputsch gegen die gewählte republikanische Regierung unterstützten, waren auf den Fliegerhorsten Langenhagen, Wunstorf und Delmenhorst ausgebildet worden. Der Fliegerhorst Wunstorf war einer der wichtigsten Flugplätze für die Ausbildung der Bombereinheiten der Legion Condor.

Im Radiofeature werden Vorgeschichte, Verlauf und die schwerwiegenden Folgen des Bombardements rekonstruiert.

Autor: Hubert Brieden

Sprecher*innen: Mechthild Dortmund und der Autor

„Besonders stark brennt das Judenviertel …“ Die deutsche Luftwaffe und der Holocaust

Mit dem Angriff auf Polen begann der Zweite Weltkrieg. Wesentlichen Anteil am Erfolg dieses ersten „Blitzkrieges“ hatte die Luftwaffe, die ihr Handwerk unter Kriegsbedingungen während des Spanischen Bürgerkrieges perfektioniert hatte. Auch Bomberbesatzungen des Kampfgeschwaders Boelcke von den Fliegerhorsten Wunstorf, Langenhagen und Delmenhorst hatten als Bestandteil der Legion Condor Luftangriffe gegen republikanische Städte auf der iberischen Halbinsel geflogen, darunter den auf die baskische Ortschaft Guernica. Am 1. September 1939 sammelte sich das Geschwaders Boelcke mit voll beladenen Heinkel-111-Bombern über Langenhagen und startete Richtung Warschau. Anders als bis heute in der regionalen Geschichtsschreibung behauptet, wurden neben militärischen Zielen auch Wohnviertel bombardiert. Doch nicht nur das: Am 13.9.1939 flogen deutsche Bombereinheiten einen Angriff gegen das große jüdische Viertel in Warschau. Die Besatzungen orientierten sich an Luftbildern, auf denen die jüdischen Wohngebiete besonders markiert waren. Nach dem Abwurf von rund 7000 Brandbomben und eigens präparierten Brandtanks standen ganze Straßenzüge des jüdischen Viertels in Flammen und waren tagelang nicht zu löschen.

Der Luftangriff auf das jüdische Viertel in Warschau war kein Einzelfall. Und auch das Kampfgeschwader Boelcke war an solchen Angriffen beteiligt.

Autor: Hubert Brieden

Sprecher*innen: Mechthild Dortmund, Hubert Brieden

Dünnes Eis – latenter Antisemitismus in einer westdeutschen Kleinstadt

Nachrichten über Angriffe von Neonazis auf unerwünschte Menschen – seien es nun Immigranten, Behinderte, Obdachlose, Sinti, Juden, Punks, Linke oder andere – gehören inzwischen zur täglichen Zeitungslektüre. In der Regel findet man sie unter „Kurz und Knapp“ im Innenteil oder auf der Klatsch- und Tratschseite. Diskriminierungen, Hetzjagden durch nächtliche Innenstädte, Misshandlungen oder auch Morde von Rechtsradikalen besitzen in Deutschland keinen größeren Nachrichtenwert mehr, sorgen selten für Schlagzeilen auf den Titelblättern. Zwischen 1990 und Januar 1996 starben mindestens 121 Menschen durch rechtsradikale Terrorakte. Synagogen und jüdische Kultureinrichtungen müssen inzwischen rund um die Uhr bewacht werden, um Anschläge zu verhindern, jüdische Friedhöfe werden mehr oder weniger regelmäßig verwüstet. Daß sich auch dort, wo in den letzten Jahren nichts Spektakuläres passiert ist, dumpfe Ressentiments breitmachen, zeigt das Beispiel Neustadt am Rübenberge – Kleinstadt mit fast 18.000 Einwohnern im Landkreis Hannover. Seit sieben Jahren weigert sich der dortige Ortsrat beharrlich, Straßen nach verfolgten und ermordeten Neustädter Juden und Sinti zu benennen.

Autor: Hubert Brieden
Produktion: 2000

Nachbemerkung:
Als Feature gesendet von „Radio Flora“ 7. u. 8.8.2000;
veröffentlicht in der Berliner Tageszeitung „Junge Welt“ v. 9.8.2000.

Das Feature wurde ausgezeichnet mit dem Alternativen Medienpreis 2001.

Berufsverbote in den 1970er und 80er Jahren – Der Niedersächsische Landtag stellt sich der Geschichte

Der so genannte Radikalenerlass von 1972 führte in Deutschland – verglichen mit anderen westeuropäischen Staaten – zu einer beispiellosen Jagd auf vermeintliche „Verfassungsfeinde“ – LehrerInnen, Lokführer, Briefträger und andere. 3,5 Millionen Menschen wurden durch den Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ bespitzelt und überprüft. Es gab 11 000 Berufsverbotsverfahren, etwa 1500 Menschen verloren durch Berufsverbote ihre materielle Existenz. Das bereits im Vorfeld durch Geheimdienstexperten diskutierte Ziel: die politische Einschüchterung der beschäftigten des Öffentlichen Dienstes. Nun will sich der Niedersächsische Landtag diesem düsteren Kapitel der Geschichte stellen. Doch schon zu Beginn gibt es Schwierigkeiten …

Radiofeature von Hubert Brieden, Cornelia Booß -Ziegling, Rolf Günther, Matthias Wietzer

Produktion: 2014

Menschen im Toten Moor – Sozialgeschichte des Sumpfes am Steinhuder Meer

Totes Moor. Schon der Name für diese ehemalige Sumpf- und Wasserlandschaft zwischen Neustadt a/Rbge und dem Steinhuder Meer lässt schaudern. Wer denkt da nicht an alte Geschichten von Geistern und Gespenstern, die aus den Nebelschwaden auftauchen und den müden Wanderer vom festen Pfad abbringen?
Aber kam nicht erst mit der Arbeit das wirkliche Grauen in diese Sumpflandschaft? Moorarbeit war Knochenarbeit. Nur wer in äußerste Not geraten war, schuftete in Torfstichen und Entwässerungsgräben: zunächst verarmte Bauern, später Tausende von Wanderarbeitern und -arbeiterinnen aus Osteuropa. In den Weltkriegen wurden Zwangsarbeiter ins Tote Moor getrieben.
Heute ist der Sumpf weitgehend trockengelegt, das Kultivierungswerk ist vollendet, die Arbeit bald getan – Arbeit, die Natur und Menschen gleichermaßen zerstörte.

Autoren: Hubert Brieden und Helge Kister

Produktion 2009

Ausbruch des Ersten Weltkrieges … und hannoversche „Helden“verehrung

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie der Historiker George F. Kennan schrieb. Der Krieg war jahrelang vorbreitet worden und Deutschland trug eine wesentliche Verantwortung für diesen ersten industrialisierten Krieg, in den die gesamte Bevölkerung einbezogen wurde.
Otto von Emmich, verantwortlich für Massaker an der belgischen Zivilbevölkerung im August 2014, wurde in Hannover als „Held von Lüttich“ hoch verehrt. Emmich ist hannoverscher „Ehrenbürger“ und erhielt ein „Ehrengrab“ auf dem Friedhof Engesohde, ein Platz und eine Kaserne tragen seinen Namen. Die Kriegsverbrechen von Soldaten des hannoverschen X. Armeekorps in Belgien wurden in der regionalen Militärgeschichtsschreibung „vergessen“.

Autor: Hubert Brieden

Produktion 2019