Presseerklärung des Arbeitskreises Regionalgeschichte zum Protest der Friedensinitiative gegen Nato/Bundeswehrübungen zur militärisch-zivilen Zusammenarbeit im Juni 2026

Die Militarisierung des Alltagslebens schreitet voran. Die gesamte Gesellschaft soll „kriegstüchtig“ gemacht werden. Nun versucht es die Bundeswehr auch in Neustadt und besetzt mit uniformierten Bewaffneten in Tarnfleck Teile der Stadt, um die zivil-militärische Zusammenarbeit zu proben. Der Arbeitskreis Regionalgeschichte setzt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Militarismus in der Region Hannover auseinander. Wir mussten die Erfahrung machen, dass die Bundeswehr systematisch die Verbrechensgeschichte der Wehrmacht vertuschte oder, wenn das nicht mehr möglich war, relativierte oder sich sogar positiv darauf bezog. Eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Wehrmacht fand kaum statt. Das Ergebnis: wiederkehrende rechtsradikale Vorfälle in der Truppe. Am Holocaustmahnmal in Neustadt wurden in der Vergangenheit Panzer aufgefahren, so dass die Nachfahren jüdischer Neustädter Opfer sich bei den anwesenden Soldaten beschwerten. Doch diese wussten von nichts, nichts von der NS-Geschichte und nichts vom Holocaustmahnmal. Sie bewegten sich in der Stadt wie Elefanten im Porzellanladen.

Die Bundeswehr in Litauen, darunter auch Soldaten aus Neustadt-Luttmersen, ist an Orten stationiert, wo Deutsche zusammen mit einheimischen Helfern während des Zweiten Weltkrieges die jüdische Bevölkerung ausrotteten. Für die Bundeswehr ist auch das kein Thema. Und nun wollen sie zum dritten Mal einen Krieg gegen Russland (diesmal Atommacht) gewinnen und meinen, das ginge anders aus, als bei den ersten beiden Versuchen. Doch Militärs, welche die Geschichte „des Gegners“ ignorieren, werden die Situation zwangsläufig falsch einschätzen und eine Katastrophe verursachen. Die Leidtragenden werden wieder vor allem Zivilistinnen und Zivilisten sein.

Der Protest der Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf gegen den Aufmarsch in Neustadt ist daher berechtigt. Für Zivilistinnen und Zivilisten sollte es angesichts der grauenhaften deutschen Geschichte selbstverständlich sein, jegliche militärisch-zivile Zusammenarbeit zu verweigern.

Protest gegen Nato/Bundeswehr-Übung vor einem Supermarkt in Nestadt a. Rbge. am 22. Juni 2026 (Foto: H. Brieden)

Gernika-Gedenkstein und die „vergessene“ Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf

Stellungnahme des Arbeitskreises Regionalgeschichte anlässlich der Präsentation eines „Gernikasteines“ auf dem Fliegerhorst Wunstorf am 8.9.2017:

Wir wollen auch deutlich machen, dass die heutige Bundeswehr keine Kriegsarmee mehr ist.“ (der Wunstorfer Bürgermeister zum Sinn des Gernikasteins)

Elefanten im Porzellanladen

Am 8. September 2017 wird auf dem Gelände des Fliegerhorstes Wunstorf im militärischen Sicherheitsbereich und abseits der Öffentlichkeit durch den Wunstorfer Bürgermeister und den Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62 der Bundeswehr ein Gernika-Gedenkstein präsentiert. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wolle sich der Bürgermeister und die Bundeswehr endlich – nach Jahrzehnten des Verschweigens und Relativierens – der NS-Geschichte des Fliegerhorstes Wunstorf stellen: Die baskische Stadt Gernika wurde während des Spanischen (Bürger-)Krieges durch ein mehrstündiges Flächenbombardement der deutschen Legion Condor fast vollständig zerstört. Beteiligt waren auch Angehörige des NS-Traditionsgeschwaders Boelcke vom Fliegerhorst Wunstorf. Dieses Geschwader war darüber hinaus verantwortlich für Flächenbombardements ziviler Stadtviertel in polnischen und anderen europäischen Städten und für die Vernichtung der britischen Stadt Coventry während des Zweiten Weltkrieges.

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